Geschichte der Kirche

Kirche und Kirchgemeinde Guttannen
In Guttannen wurde die erste Kapelle im Jahr 1467 vom Weihbischof Thomas von Konstanz geweiht. Die Kapelle war nur zum Messelesen bestimmt. Taufen und Begräbnisse hatten in Meiringen stattzufinden. Für Begräbnisse konnten in Notfällen Ausnahmen gemacht werden. Die Toten wurden dann auf dem Friedhof hinter der heutigen Kirche in Guttannen bestattet. Ein Holz kreuz erinnert an diese erste Grabstätte.

Nach der Reformation umfasste die Pfarrei Hasli das gesamte Gebiet des heutigen Amtsbezirks Oberhasli. Der Pfarrer von Meiringen hatte sich in seiner ausgedehnten Gemeinde der Predigt und der Seelsorge zu widmen. Gottesdienste wurden nicht nur am Hauptort, sondern auch an Wochentagen nach einer gewissen Reihenfolge in den Kapellen in Guttannen und auf dem Bühl in Gadmen gehalten. Mitte des 16. Jahrhunderts wohnten im Grund (Innertkirchen) 23, im Gadmental 30 und im Guttannental 19 Haushaltungen, die der kirchlichen Obsorge teilhaftig wurden. Die älteren Kinder aus den Tälern wurden an bestimmten Werktagen im Herbst in die Kirche nach Meiringen berufen. Sie wurden vom Pfarrer oder von einem Mitglied des Kirchenvorstandes unterrichtet und mit den Glaubenslehren vertraut gemacht. Die Kinder wurden an den Unterrichtstagen jeweils mit einem tüchtigen Stück Brot bedacht.
Am 11. November 1709 beschloss der Grosse Rat, dass aus den Tälern oberhalb des Kirchet die neue Pfarrei Hasli im Grund zu bilden sei. Am 27. Juli 1713 wurde als erster Pfarrer David Gryff gewählt. Der Sitz des Pfarramtes und des Chorgerichts (Kirchgemeinderat) befand sich im Grund. Dennoch blieben die Dorfschaften Grund und Umgebung in der Obhut des Pfarramtes Meiringen. Der neue Pfarrer wohnte somit ausserhalb seiner Kirchgemeinde, die das Gadmental ab Hopflauenen und das Guttannental ab Schwändi umfasste. Abwechslungsweise wurde in Guttannen und in Gadmen gepredigt und Unterweisung gehalten.
1722 wurden in Gadmen und in Guttannen die Kapellen durch eigentliche Kirchlein ersetzt. Das Kirchlein in Guttannen brannte erstmals am 29. August 1723 ab. Mit dem Kirchlein verbrannten acht Wohnhäuser, die von 15 Haushaltungen mit 47 Personen bewohnt waren. An den Wiederaufbau der Kirche trug der Staat 400 Pfund bei.

Ein zweites Mal fiel die Kirche in Guttannen dem Brand im Juni 1803 zum Opfer. Mit der Kirche verbrannten 53 Gebäude und 42 Haushaltungen kamen in grosse Not. Mit Liebesgaben aus dem ganzen Kanton wurden die Not und die ärgste Bedrängnis der Brandgeschädigten gemildert. Die Gemeinde war zunächst nicht im Stande neue Glocken anzuschaffen. Vom alten Geläute wurde nicht einmal das geschmolzene Metall gefunden.

Am 9. November 1808 hat die Regierung beschlossen, dass Guttannen und Gadmen eigene Pfarreien erhalten sollen. Es wurden Pfarrhäuser gebaut und das Kloster Interlaken hat der Kirchgemeinde Guttannen eine kleinere unbenutzte Glocke überlassen. Im August 1814 waren die beiden Pfarrhäuser in Gadmen und in Guttannen bezugsbereit.
Die Pfarrstelle in Guttannen wurde erstmals ab 1. Juli 1816 durch Herrn Pfarrer Johann Balthasar Bullinger besetzt. Herr Pfarrer Bullinger war seit 1811 in der Pfarrei Grund tätig und entschied sich für Guttannen. Das Pfarrhaus im Grund wurde samt Umschwung an eine Steigerung gebracht und für 1750 Kronen verkauft.


Kirche, Glocken, Musik und Umgebung
Die erste Kapelle von 1467, der Neubau der Kirche im Jahr 1722 der Wiederaufbau in den Jahren 1724 und 1804 wurden bereits erwähnt. Im Jahr 1970 wurde die Kirche renoviert und steht seither unter dem Schutz des Bundes.
1808 hat Guttannen eine eigene Pfarrei erhalten. Das Kloster Interlaken überliess Guttannen eine kleinere bis dahin unbenützte Glocke. Diese Glocke läutet seither zum Gottesdienst und dient heute als 'Zvieri und Gmeinswärchs-Glocke'.
Im Jahr 1841 hat man die zweite und grössere Glocke aufgezogen. Die grössere Glocke läutet an den Wochentagen zum Mittagessen und am Sonntag das Zeichen zum Gottesdienst. Beide Glocken läuten zusammen den Sonntag (Samstag um 18.00 Uhr) und den Gottesdienst ein. Bei Bestattungen begleiten beide Glocken Mitbürger/- innen zum letzten Gang. Mit der Renovierung der Kirche im Jahr 1970 wurde eine Läutanlage eingebaut. Die alten Glockenseile, ein Teil des alten Uhrwerkes und die Uhrenpendel befinden sich noch im Besitz der Kirchgemeinde. Das alte Zifferblatt ist im Haslimuseum in Meiringen ausgestellt. In den Jahren 2003 und 2004 sind die Läutanlage und die Uhr mit dem Glockenschlag erneuert worden.
Im Jahr 1887 hat die Kirchgemeinde ein Harmonium angeschafft, 1943 wurde das Harmonium durch die Kirchenorgel ersetzt.

Die Kirche, das Pfarrhaus und die Pfrundmatte haben in Guttannen für lange Zeit eine grosse Einheit gebildet. Mit dem Bau der Grimselstrasse in den Jahren 1892 bis 1894 wurde die Kirche vom Rest des Pfrundgutes geteilt.
Im Jahr 2000 ist die neue Ortsdurchfahrt verwirklicht worden. Zur Verkehrsberuhigung wurde ein Kirchenvorplatz mit einer Kirchenmauer gebaut.

Gegenwart und Zukunft
In einer ersten Sparrunde hat der Kanton Bern 1996 die Pfarrstellen in Guttannen und Gadmen auf 60 % reduziert.
Die zweite Sparrunde des Kantons Bern hat für die drei Gemeinden die oben erwähnten Anstellungsprozente festgelegt. Die Anstellungen werden jedoch auf die Gesamterneuerungswahlen per 1. Januar 2008 mit den reduzierten Stellenprozenten wirksam. Die Pfarrstelle in Innertkirchen wurde auf 80 % festgesetzt.
In einer geforderten Regionalisierung arbeiten die Kirchgemeinden im Oberhasli an Lösungsvorschlägen für die Zukunft der Kirchgemeinden. Die Kirchenbürger/innen werden gebeten in diesem Prozess aktiv mitzuwirken. Gemeinsam planen und tragen wir die Zukunft der seelsorgerischen Betreuung unserer Kirchgemeinden.

 

"Einen anderen Grund
kann niemand legen
ausser dem der gelegt ist,
welcher ist Jesus Christus"


Dieser Spruch steht mit festen Lettern in der Kirche Guttannen geschrieben. Welche Bedeutung hat er heute noch für uns?