Gemeindeporträt

"Das wilde Tal, das mich gebar, bringt weder Wein noch Frucht, auch nicht im wärmsten Jahr". So hat der Reformator Ulrich Zwingli seine Toggenburger Heimat beschrieben. Diese Worte treffen aber auch auf das oberste Dorf an der Aare, auf Guttannen, zu. Die Landschaft an der Nordrampe des Grimselpasses ist rauh, aber vielleicht übt sie gerade deswegen auf Einheimische wie auf viele Besucher eine starke Faszination aus.

  

 

Geographie

 

Das Gemeindegebiet von Guttannen erstreckt sich von der "tonenden Fluh" an der Grenze zu Innertkirchen durch das Aaretal hinauf bis zu den imposanten Gipfeln des Finsteraar-, Lauteraar- und Schreckhorns und umfasst eine grossartige Hochgebirgslandschaft. Mit mehr als 200 km2 gehört Guttannen flächenmässig zu den grössten Gemeinden des Kantons Bern. Nur ein sehr kleiner Teil, knapp 10%, ist land- oder forstwirtschaftlich nutzbar. Die ausgedehnten Gletscher, Firnen und Felsen werfen zwar keinen messbaren Ertrag ab, sie sind aber für die Talbewohner ein Stück Heimat und deshalb von hohem ideellem Wert.

 

 

Bevölkerung

 

Mit rund 320 Einwohnern im Sommerhalbjahr und

300 Einwohnern im Winterhalbjahr ist Guttannen bevölkerungsmässig eine sehr

kleine Gemeinde. Im Jahr 1846 wurden noch 535 Personen gezählt. Danach setzte

eine immer stärkere Abwanderung ein. Es waren oft kinderreiche Familien, die im

engen und kargen Tal kein genügendes Auskommen fanden und in die Fremde zogen,

meistens nach Nordamerika. Auf den Tiefpunkt von 1920 mit nur noch 298 Personen

erfolgte kurz darauf die Trendwende dank den Kraftwerkbauten an der Grimsel.

Heute verzeichnen wir erneut eine Abwanderungstendenz. Ausbildungsplätze sind

rar, Berufslehren müssen meistens auswärts absolviert werden. Eine fast uneingeschränkte

Mobilität ermöglicht heute Zupendlern, auch entlegene Arbeitsplätze in der

Gemeinde Guttannen zu besetzen.

 

 

Politik

 

Als politische Gemeinde besteht Guttannen erst

seit 1835. Vorher war die "fry Landschaft Hasli" in Bäuertgemeinden

aufgeteilt gewesen. Der Tradition und dem Gemeinwerk verpflichtet,

bewirtschafteten sie ihre Alpen, Allmenden und Wälder lange nach den

Spruchbriefen und Ordnungen früherer Jahrhunderte, doch die ehemals grosse

politische und wirtschaftliche Bedeutung der Bäuerten ist in den letzten

Jahrzehnten stark zurückgegangen. In Guttannen sind dies die Bäuerten Boden und

Guttannen, die diese Aufgaben noch heute wahrnehmen. Im Wappen von Guttannen

sind die beiden Bäuertgemeinden in Form von zwei Sternen symbolisch

dargestellt.

 

Politische Parteien bestehen in Guttannen

nicht. Bei Wahlen in die Gemeindebehörden entscheiden die Stimmberechtigten an

der Versammlung aufgrund der Persönlichkeit der Vorgeschlagenen. Man kennt

einander. Auf kantonaler und eidgenössischer Ebene befolgen die Guttanner in

der Regel die Parolen der bürgerlichen Kräfte.

 

 

Schule

  

Die Schülerzahlen sind in den letzten Jahren

stark zurückgegangen. Kleinere Familien und neue Schulstrukturen haben dazu

geführt, dass die Gemeinde 1998 auf Geheiss des Kantons eine Klasse schliessen

musste. Mit der Gründung einer Tagesschule im Jahre 2007 wurde einer weiteren

Zusammenlegung der Schulklassen für weitere 5 Schuljahre entgegengewirkt.

Gleichzeitig setzte sich das Projekt Schule

Oberhasli von 2007 bis 2010 während drei Jahren mit der Schullandschaft Oberhasli

auseinander und erarbeitete die Grundlagen für eine zeitgemässe und den

Kantonalen Vorgaben entsprechende Schulorganisation. Trotz Tagesschulangebot wurden

auf das Schuljahr 2012/13 die Schülerzahlen für zwei Klassen nicht mehr

erreicht. So werden seit August 2012 in Guttannen die rund 20 Primarschüler vom

1. bis 6. Schuljahr in einer Klasse ausgebildet. Die Tagesschule musste auf

diesen Zeitpunkt hin wegen mangelnder Nachfrage geschlossen werden.

 

Die Realschüler 7. bis 9. Schuljahr besuchen den

Unterricht in Innertkirchen und die Sekundarschüler fahren nach Meiringen.

 

Im Schulhaus Boden wurden bis 1971 Kinder

unterrichtet. Später diente die Schulanlage dem Kindergarten, welcher auf Ende

des Schuljahres 2012/2013 aufgehoben wurde. Für die Kinder wird eine

entsprechende Ausbildungsstätte in Innertkirchen angeboten.

 

 

Wirtschaft

  

Kraftwerke

Wichtigster Arbeitgeber und grösster

Steuerzahler ist die Kraftwerke Oberhasli AG. Die grossen Wasservorkommen, die

Talstufen und die geologische Stabilität des Granitgesteins im Aaretal stellen

einen gewaltigen natürlichen Reichtum dar, den die Elektrizitätswirtschaft

schon früh erkannt hat. Seit Mitte der Zwanzigerjahre sind die Anlagen zur

Stromproduktion etappenweise ausgebaut worden; die KWO leisten heute einen

wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung unseres Landes. Der Bau und Betrieb

dieser Werke war gleichbedeutend mit einem wirtschaftlichen Aufschwung in der

Gemeinde. Zahlreiche Einheimische finden im weit verzweigten Betrieb ihr

Auskommen, und die Gemeinde steht finanziell gut da. Der Steuerfuss liegt mit

1.65 unter dem kantonalen Mittel.

 

 

Landwirtschaft

 

Die Land- und Alpwirtschaft ist nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftszweig und stellt die Selbstversorgung mit Milch und Käse sowie in geringerem Ausmass mit Fleisch sicher. Die meisten Betriebe werden als Nebenerwerb im Familienverband geführt. Das zum Teil steile und coupierte Land eignet sich für den Ackerbau nicht. Daher steht die Milchproduktion im Vordergrund, doch hat in den letzten Jahrzehnten auch die Schafzucht einen starken Aufschwung erlebt. Mehrere Alpstafeln, auf denen früher noch Rindvieh sömmerte, dienen heute ausschliesslich als Schafweide. Der Bau einer neuen Alpkäserei durch die Bäuertgemeinde deutet darauf hin, dass der Glaube an den Fortbestand der Landwirtschaft trotz Strukturwandel und härterer Marktbedingungen in Guttannen nach wie vor intakt ist. Eine grosse Hilfe sind die Direktzahlungen durch die öffentliche Hand.

 

 

Tourismus

 

Dem Wintertourismus sind im engen und zeitweise lawinengefährdeten Tal Grenzen gesetzt; der Bau von Bergbahnen und Skipisten war nie ein ernsthaftes Thema. Einzig in Dorfnähe besteht ein kleiner Skilift, der familienfreundlichen Wintersport erlaubt und den vor allem die Kinder rege benützen. Auch die beleuchtete Langlaufloipe ist bei der Bevölkerung aller Altersstufen sehr beliebt. Erste Klasse sind die Skitouren auf weitgehend unberührte Gipfel beidseits unseres Tals. Wer die nötigen Voraussetzungen mitbringt, findet hier wunderschöne Aussichtsberge und schöne, variantenreiche Abfahrten. Im Sommer bietet sich dem Wanderer und Bergsteiger ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Betätigungsfeld. Der alte Saumweg über die Grimsel führt an eindrücklichen natürlichen und technischen Sehenswürdigkeiten vorbei. Glatte Wände, feste Granittürme und majestätische Viertausendern laden Kletterer und Alpinisten zu unvergesslichen Klettertouren ein. Die steilste Standseilbahn Europas, die Gelmerbahn, bringt die Besucher ab Alp Handeck direkt in die einzigartige Gebirgswelt des Gelmergebiets. Die Kraftwerksanlagen der Kraftwerke Oberhasli AG bieten ganzjährig einen Einblick in die Stromproduktion.

 

 

Gewerbe

 

Das einheimische Gewerbe, vor allem in der Holz- und Steinverarbeitung, ist auf auswärtige Kunden angewiesen. Den natürlichen Standortnachteil machen unsere Handwerker durch überdurchschnittliche Qualität und angemessene Preise wett. Weitere Arbeitsplätze bieten neben der Kraftwerke Oberhasli die Forstwirtschaft sowie die öffentlichen Dienstleistungsbetriebe.

 

 

Naturgefahren

 

Naturgewalten haben das Tal und seine Bewohner mehrmals schwer heimgesucht. Chroniken aus dem letzten Jahrhundert berichten von zahlreichen Lawinenopfern. Am 3. März 1830 starben fünf Männer von Guttannen und Boden in einer Lawine gegenüber dem Grimselspittel, wodurch zweiundzwanzig Kinder den Vater verloren. Unter den Verschütteten befand sich auch der Chorrichter und Bergführer Arnold Abbühl, der am 16. August 1812 mit zwei Gefährten erstmals das Finsteraarhorn bestiegen hatte. Die Lawinengefahr ist auch heute trotz Galerien und Verbauungen nicht gebannt, wie der Winter 1999 eindrücklich gezeigt hat. Niedergerissene Wälder, weggefegte Scheunen, verschüttetes Vieh, Evakuationen waren die Folgen der gewaltigen Niedergänge. Zum grossen Glück hatten wir aber keine Menschenleben zu beklagen.

 

Auffallend eng stehen die Häuser der Dörfer Guttannen und Boden zusammen. Unsere Vorfahren wussten dank ihrer Naturverbundenheit, wo sie bauen durften und wo nicht und gingen mit dem spärlichen Bauland sehr sorgsam um. Die Natur hat eine wirkungsvolle Einzonung des Baugeländes vorgenommen lange bevor es Planer auf dem Papier nachzeichneten.

 

Die grossen Feuersbrünste von 1723 und 1803 legten das Dorf Guttannen mit Ausnahme weniger Häuser in Glut und Asche. Trotz moderner Löschgeräte ist der Respekt vor einem Brand geblieben. Bei Föhnwind ist das Rauchen im Freien verboten und die Einwohner sind sensibler und aufmerksamer gegen jegliches Anzeichen von Feuer.

 

 

Schwere Stürme haben in den letzten Jahrzehnten grosse Teile unserer Wälder zerstört. Nachdem bereits 1962 und 1982 ein wilder Herbstföhn die überalterten Bestände in der Nähe des Dorfes verwüstete, fegte im Februar 1990 der berüchtigte „Vifian“ mit unvorstellbarer Gewalt durch das Tal. Innert weniger Stunden fielen grosse Schutzwälder oberhalb der Dörfer Guttannen und Boden dem Orkan zum Opfer, Zehntausende von Kubikmetern Holz lagen am Boden, so viel wie normalerweise in 30 Jahren genutzt werden kann. Inzwischen hat der Forstdienst die Schadenflächen geräumt und neu angepflanzt, aber es wird noch Generationen dauern, bis die von der Natur geschlagenen Wunden wieder einigermassen vernarbt sind. Die Bezeichnung „gut Tannen“ ist für unsere Gemeinde heute nicht mehr unbedingt zutreffend.

 

In jüngerer Zeit sah sich Guttannen mit einem weiteren Element, dem Wasser konfrontiert. Am 22. August 2005 ereignete sich aufgrund einer länger andauernden Nässeperiode, einer hohen 0-Grad-Grenze auf über 3000 MüM und einer erhöhten Niederschlagsmenge am Ereignistag im Rotlouigraben ein Murgang, welcher die ganze Breite des Talbodens mit Ablagerungen von 500'000 m3 überschüttete. Die dadurch gestaute Aare bahnte sich auf der linken Talseite ihren Weg und überflutete den Dorfteil Schattseite. Menschen und Tiere kamen keine zu Schaden. Die Schäden an Gebäuden und Kulturen dagegen waren gross, die Hilfe während der Überschwemmung und bei den Aufräum- und Instandstellungsarbeiten enorm. Einmal mehr durfte die Guttannerbevölkerung die Solidarität vieler Mitmenschen spüren.

 

Das neueste Phänomen, der auftauende Permafrost, aktivierte am Ritzlihorn im 2010 wiederholt Felsabbrüche, die grosse Geschiebemengen freisetzten. Niederschläge lösten grössere Murgangschübe aus und gefährdeten die Galerie im Bereich Spreitgraben. Die Kantonsstrasse musste zweitweise gesperrt werden. Durch die anhaltende Erwärmung sind weitere grosse Murgänge zu erwarten. Das Siedlungsgebiet von Guttannen ist durch die abgehenden Murgänge nicht gefährdet. Die Gemeindeführungsorganisation ist auf alle Eventualitäten vorbereitet. Verschiedene Konzepte stellen bei einer Strassensperrung die

Versorgung der Bevölkerung und der Gäste in allen Bereichen sicher.

 

 

Geschichte

 

Im Quellgebiet der Aare begannen um 1830 die alpinen Gletscherforschungen. Viele Gipfel und Übergänge tragen heute die Namen der damaligen Pioniere Agassiz, Hugi, Scheuchzer etc. Paul Hertig in Biel hat darüber ein Buch mit dem Titel „Wie die Berge zu ihren Namen kamen“ verfasst. Die Schrift wurde von der Gemeinde Guttannen herausgegeben und ist auf der Gemeindeverwaltung erhältlich.

 

Während der "goldenen Zeit" des Alpinismus war das Grimsel-Hospiz ein beliebter Ausgangspunkt für die Expeditionen der Naturforscher und Bergsteiger. Die einheimischen Führer Arnold Abbühl, Jakob Leuthold, Hans Jaun und der berühmteste von ihnen, Melchior Anderegg von Zaun, haben ihre Laufbahn an der Grimsel begonnen. Die heutige Generation der Guttanner Bergführer hält Tradition in Ehren, ist aber gleichzeitig offen für neue Formen des Bergsteigens. Ausser den einheimischen Gipfeln kennen die meisten auch die "Berge der Welt" in fernen Kontinenten.

 

Eine wichtige Rolle in der Geschichte unseres Tals spielt die Grimsel mit dem alten Hospiz. Der Pass wurde bereits in römischer Zeit begangen; der so genannte Römerweg ist noch an einigen Stellen fragmentarisch sichtbar. Keltische Funde im Aegerstein, einem Wäldchen zwischen Boden und Guttannen, lassen auf eine noch frühere Begehung schliessen. Seit welcher Zeit die „Grimpslen“ als Bergpass benützt wurde, hat uns jedoch kein Chronist aufgeschrieben.

 

Urkunden berichten, dass im Jahr 1211 Herzog Berchtold V. von Zähringen, der Gründer Berns, über die Grimsel ins Goms eingefallen ist, doch das Unternehmen fand nach einer demütigenden Niederlage bei Ulrichen ein klägliches Ende. 1415 nahmen bernische Truppen den gleichen Weg, mussten sich aber nach unrühmlichem Gefecht gegen die wehrhaften Oberwalliser ebenfalls zurückziehen. Sechs Jahre später, 1425, zog wieder ein Berner Heer mit 5000 Mann über die Grimsel und den Albrun, um einer in Domo d’Ossola belagerten Freischar von Schwyzern und Unterwaldnern zu Hilfe zu eilen.

 

Kein historisches Ereignis hat sich aber so stark ins Bewusstsein der Bevölkerung von Guttannen eingeprägt wie der französische Feldzug vom Sommer 1799. Waffengeklirr, fremdsprachige Soldaten, Requisitionen beherrschten plötzlich die Szene im stillen, abgelegenen Bergdorf. Obwohl die hier stationierten Franzosen ihren Nachschub aus dem Unterland bezogen, blieben Übergriffe auf das Eigentum der Talleute nicht aus. Der noch gut erhaltene unterirdische Speicher „bim Stein“ legt Zeugnis ab vom Versuch der Guttanner, den Alpkäse vor Napoleons Truppen in Sicherheit zu bringen. Allein, die Bemühungen waren umsonst. Laut Überlieferung wurde das Versteck von Hunden aufgespürt und von den fremden Besatzern geplündert.

Der Kampf vom 14. August 1799 war heftig. Mit aller Macht griffen die Truppen des französischen Generals Gudin die an der Grimsel verschanzten Oesterreicher an. In seinem am Kampftag selber verfassten Bericht schreibt Gudin: „Erst nach unglaublichen Schwierigkeiten und einem während sechs Stunden andauernden Schusswechsel ist es uns gelungen, diese erste Grimselstellung zu gewinnen“. Derweil führte der Guttanner Wirt und Chorrichter Niklaus Fahner eine Abteilung französischer Gebirgsjäger „vom oberen Bögli über die Felsen, Schneefelder und Gletscher der Gersterhörner und des Nägelisgrätli“ in den Rücken der Verteidiger. Nach ihrem Sieg an der Grimsel zogen die Franzosen rasch weiter gegen den Gotthard, sehr zur Erleichterung der Talbewohner. Das Buch „Weltgeschichte im Hochgebirge“ von Jürg Stüssi-Lauterburg umschreibt die historischen Ereignisse am Ende des 18. Jahrhunderts in der Schweiz auf höchst interessante Weise.

 

Das Hospiz, das während der Kriegswirren an der Grimsel von den Österreichern allen brennbaren Materials beraubt und in eine Ruine verwandelt worden war, wurde in den folgenden Jahren von der Landschaft wieder aufgebaut. Unter den Spittlern Leuthold und Zybach entwickelte es sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu hoher Blüte. Die Grimsel und sein Hospiz hatten sowohl in Kreisen der Gelehrten und wissenschaftlichen Bergsteiger wie unter den gewöhnlichen Reisenden einen ausgezeichneten Namen. Anfang Winter 1852 ging jedoch das Hauptgebäude in Flammen auf. Die eingeleiteten Untersuchungen ergaben, dass Zybach das Hospiz durch seine Winterknechte hatte in Brand stecken lassen, wohl in der Absicht, beim Wiederaufbau seine ehrgeizigen Ausbaupläne verwirklichen zu können.

Im 19. Jahrhundert hatte der Saumverkehr über die Grimsel eine grosse Bedeutung, sollen doch zeitweise pro Woche gegen 200 Saumtiere den Pass überschritten haben. Auf den Märkten in Meiringen wurden italienische Produkte wie Mais, Reis, Gewürze, Wein etc. gegen Viehware, Käse, Häute und andere Dinge eingetauscht. Die Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 setzte dann allerdings der Säumerei ein Ende. In den Jahren 1891 bis 1894 wurde die 14 Fuss breite Grimselstrasse „von Hof bis Kantonsgrenze Wallis“ erstellt. Angesichts der damaligen technischen Hilfsmittel stellt das in verhältnismässig kurzer Zeit errichtete Bauwerk eine beachtliche Leistung dar. Die Romantik der Postkutschenzeit dauerte allerdings nur bis etwa 1920, dann wurden die Pferde von der aufkommenden Motorisierung verdrängt. Heute ist die Grimselstrasse ein grosszügig ausgebauter Verkehrsweg, der allen modernen Anforderungen gerecht wird.

 

 

Strahlen

 

Das Aaremassiv war schon immer ein Eldorado für die Strahler. Im Herbst 1719 entdeckten die Brüder Peter und Jakob Moor aus Geissholz am vorderen Zinggenstock eine reichhaltige Kluft, deren Ausbeute alle früheren und die meisten späteren Kristallfunde in den Schweizer Alpen weit übertraf. Der zweite grosse Fund geschah im Sommer 1868 am Tiefengletscher, als der Guttannen Bergführer und Strahler Peter Sulzer mit seinem Sohn eine grosse Morion-Kristallhöhle entdeckte. In jüngerer Zeit sind am Zinggenstock wieder grosse Mengen schönster Mineralien gefunden worden. Viele der interessantesten Stücke befinden sich in privaten Sammlungen. In verschiedenen Ausstellungen in Boden und Guttannen können diese Wunderwerke der Natur bestaunt werden.

 

Überwältigend ist auch der Anblick der natürlichen Kluft im Eingangsstollen zum Kraftwerk Grimsel, die für Besucher zugänglich ist. Hinter all dem Glanz und der Pracht der ans Tageslicht geförderten Schätze versteckt sich aber manchmal auch Tragik und menschliches Leid.

 

 

Aktuelle Aufgaben

 

KWO plus

Das gigantische Kraftwerkprojekt „Grimsel West“, das die Gemeinde Guttannen während eines Jahrzehnts stark beschäftigt und mit der Zeit in zwei beinahe feindliche Lager gespalten hat, wurde zurückgezogen. Zurzeit ist der Verbindungsstollen Handegg-Gerstenegg in Bau. Eine Etappe des Projekts KWOplus, das die Aufwertung der bestehenden Anlagen von Innertkirchen bis ins Grimselgebiet und die Vergrösserung des Grimselsee beinhaltet. Die Ausbauten sind zukunftsgerichtet und von der Guttannerbevölkerung weitgehend unbestritten. Die einhergehenden ökologischen Massnahmen werden begrüsst und anerkannt.

 

 

Lebensqualität

 

Trotz Naturgefahren und zeitweiliger Abgeschiedenheit, sind die meisten von uns froh, in den Bergen leben zu dürfen. Wer hier aufgewachsen und im Tal verwurzelt ist, kommt nach Lehr- und Wanderjahren immer wieder gerne zurück. Unsere Lebensqualität schätzen wir keinesfalls geringer ein als die andernorts, im Gegenteil. Zahlreiche Feriengäste fahren weite Strecken und geben Geld aus für etwas, das wir jeden Tag vor der Haustüre haben.

 

 

Aktualisiert Januar 2017

 

 

Ortsporträt

Ortsporträt.pdf
Adobe Acrobat Dokument 7.7 MB